Schlagwortarchiv: Journalismus

Zweiklassenmedizin jenseits des Lagerdenkens

Im aktuellen Spiegel endlich mal ein Artikel zur Zweiklassenmedizin, bei dem Fakten zusammengetragen werden, um Leser darüber zu informieren. Hier wird eine wahrheitsgemäße Berichterstattung angestrebt und nicht eine herbeiphantasierte Scheinneutralität für die jedes Lager zu Wort kommen darf, gleichgültig ob das inhaltlich haltbar ist. Nicht Personen und Parteien stehen im Mittelpunkt, sondern die Problemlage. Es wird nicht in politischen Lagern, sondern in Lösungsansätzen gedacht.

Es wäre noch ein Vergleich mit anderen Ländern wünschenswert gewesen, um zu sehen, wie das anderswo gelöst wird. Denn es ist kein Wunder dass TK-Chef Jens Baas die Staatsferne der PKV lobt, um sich so für die Aufrechterhaltung der Krankenkassen auszusprechen, obwohl es nicht effizient sein kann, dass wir auch in der GKV die bürokratischen Wasserköpfe von dutzenden Krankenkassen ohne Leistungsunterschied mit unseren Beiträgen mit durchfüttern. In manch anderen Ländern gibt es das nicht.

In jedem Fall hängt das allgemeine Niveau des Gesundheitssystems davon ab, wie diejenigen behandelt werden, die darüber entscheiden. Deshalb wird es sich erst dann merklich bessern, wenn die Abgeordneten die gleiche Behandlung erfahren, wie gesetzlich Versicherte.

Einseitiger Journalismus

Wie kommt es, dass in einem Spiegel-Artikel über die wirtschaftliche Entwicklung und die damit einher gehenden Sorgen der breiten Bevölkerung nach einigen interessanten Fakten plötzlich genau eine nahmhafte Stimme zu Wort kommt? Warum darf ausgerechnet der Hedgefond-Manager Nicolas Berggruen plötzlich wilde politische Spekulationen anstellen? Sollten in einer anspruchsvollen Zeitschrift nicht mehrere Perspektiven aufgezeigt und der Sicht eines Investors zumindest eine andere gegenüber gestellt werden? Wäre in diesem Wirtschaftsartikel nicht sogar eher eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Einordnung von Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern ohne eigene finanzielle Interessen relevant gewesen?

In diesem Zusammenhang stellt sich die allgemeine Frage: Was können wir als Lesende tun, damit es einen Ort gibt, an dem zum Einen nicht einseitig berichtet wird, und zum Anderen keine widerlegten Scheinexperten heran gezogen werden, um mit aller Gewalt eine andere Perspektive anzuführen, wie das beim Thema Klima-Erwärmung immer wieder gemacht wurde? Wie bekommen wir einen faktenbasierten und argumentativ achtsamen Journalismus?

Der anmaßend „unparteiische“ Sprachrohr-Journalismus

„Journalismus darf nicht parteiisch sein“, sagt René Pfister im Streitgespräch mit seiner Kollegin Ann-Katrin Müller vom Spiegel und spricht damit aus, worauf sich viele Journalisten berufen. Die Aussage ist Unverfrorenheit und Anmaßung in einem. Das gilt nicht nur für dieses Gespräch, sondern für einen derart auftretenden Journalismus allgemein.

Der anmaßend „unparteiische“ Sprachrohr-Journalismus weiterlesen →

Gefühliger Journalismus

Da werden ein Hausbesetzer, ein Imbissbudenbesitzer, ein Kioskbesitzer, ein Taxifahrer und ein Schäfer besucht, um über die Lage in Berlin zu berichten. Was soll das werden? Repräsentativ bestimmt nicht! Ist in Redaktionen unbekannt, welchen Tätigkeiten die Menschen überwiegend nachgehen? Wohl kaum. Warum also diese Leute? Nur weil sie leicht ansprechbar waren? Weil man einfach zu ihnen gehen kann? Ist das der Grund?

Gefühliger Journalismus weiterlesen →

Journalistische Nabelschau

Dank einem Artikel von Xaver von Cranach über Robert Habeck wissen wir jetzt, wie der Ex-Wirtschaftsminister Rad fährt und sich kleidet. Dass das reicht, um den Artikel in der Rubrik Kultur unter zu bringen, ist dann doch ernüchternd. Könnten wir dann vielleicht mal wieder anfangen, uns für Inhalte statt für Menschen und Klatsch und Tratsch zu interessieren. Gerne auch für kulturelle Inhalte. Aber bitte ohne journalistische Nabelschau, die mit sich selbst hadert. Das tut sie zwar zu recht, ist aber weder erbaulich noch erhellend.

Fetisch linker Journalismus

Ausgerechnet jener Journalismus, der sich so reflektiert gibt, pflegt einen seltsam unreflektierten Fetisch. Weil Journalisten angeblich nicht mehrheitlich der AfD, FDP oder Union nahe stehen, soll es eine Schlagseite nach links geben. Das behaupten  reichweitenstarke Medien und Publizisten, die rechts sind und arbeiten sich derart verbissen daran ab, dass sogar gemäßigte Zeitschriften wie der Spiegel dem Narrativ unwidersprochen die Bühne bieten.

Fetisch linker Journalismus weiterlesen →

Spiegel auf Boulevard-Niveau angekommen!

Weil E-Autos schnell beschleunigen, macht der Spiegel jetz plötzlich eine Gefahr daraus. Bei Sportwagen und Motorrädern hat ihn das nie gestört. Aber beim E-Auto ist das natürlich ein Problem. Da werden zehn Jahre alte Studien rausgekramt, als es kaum E-Autos gab und die damit kaum Aussagekraft haben. Da wird der Anstieg der Gesamtzahl aller Verkehrstoten 2025 um 44 Personen allein der E-Mobilität zugerechnet, ohne dass dafür irgendeine Evidenz angeführt wird, und ohne auf die Anstiege 2018 oder 2011 um jeweils um die 100 auch nur einzugehen. Da wird einfach nur geraunt, ohne dass etwas Belastbares anbgeführt würde.

Wer sich statt dessen mal im Verkehr bewegt, wird feststellen, dass E-Autos oft defensiv gefahren werden, um den Akku zu schonen, während die Drängler überwiegend Verbrenner fahren. Wer nur ein paar Menschen kennt, stellt auch schnell fest, dass die irrationale Liebe zum Rasen, gerne als sportliches Fahren verharmlost, mit der Liebe zum möglichst laut röhrenden Verbrenner einhergeht, sehr zum Leidwesen von uns allen, die wir dem schutzlos ausgeliefert sind. Es würde genügen bei den Verkäufern von Sportwagen und Motorrädern nachzufragen, oder die kurvigen Rennstrecken der Alpen und die beliebten Videos von Hochgeschwindigkeitsfahrten auf deutschen Autobahnen aufzusuchen.

Statt seinen journalistischen Pflichten nachzugkommen, sinkt der Spiegel herab auf perfide Stimmungsmache. Wie verabscheuungswürdig!

Die Verantwortungslosigkeit kehrt zurück

Was für eine Abfolge! Jahrzehnte lang verharmlost der Spiegel systematisch die Klimakrise. Lobenswerterweise druckt er 2024 selbst die entsprechende Analyse des Medienwissenschaftlers Bernhard Pörksen dazu ab. Der attestiert im selben Zuge dann auch, dass sich die Berichterstattung seit 2019 einem realistischen Blick (zumindest in einschlägigen Texten) genähert habe. Danach folgt Monate lang Funkstille: keine Artikel mehr zur Klimakrise. Nicht einmal das drohende Kippen des Golfstroms ist eine Meldung wert. Und dann das: Frauke Rostalski, Mitglied des Deutschen Ethikrats, darf über die Sinnlosigkeit individuellen Engagements für den Klimaschutz schreiben, ohne einen anderen Weg zu weisen.

Die Verantwortungslosigkeit kehrt zurück weiterlesen →

Spiegel-Leserbriefe: Der Ignoranz eine Bühne!

Was ist bloß, bei den Leserbriefen im Spiegel los? Die Redaktion bekommt massig Zuschriften und was wählt sie aus? Ignoranz pur.

Da beschreibt Christoph Möllers, Professor für Verfassungsrecht, in einem aufrüttelnden Artikel, wie die Rechten bis hin zur Union auf unsägliche Weise den Rechtsstaat erst diskreditieren, dann politisch unterwandern und ihn schließlich gefügig machen, und dann druckt der Spiegel Leserbriefe dazu ab, die sich mit dem beschriebenen Problem gar nicht befassen. Als ginge es um eine Kleinigkeit und nicht den Kern unserer heutigen gesellschaftlichen Stabilität.

Spiegel-Leserbriefe: Der Ignoranz eine Bühne! weiterlesen →