Schlagwortarchiv: Klimawandel

Achtung Betrug!

Hallo Spiegel-Redaktion!

Letzte Woche lag in meinem Briefkasten eine Zeitschrift, die täuschend echt wie der Spiegel aussah. Ganz offensichtlich handelt es sich dabei um Betrug! Denn drin standen keine nahrhaften politischen Artikel, sondern ausschließlich leicht Verdauliches über Verdauungsprobleme von halbgaren Gesundheits-Influencern mit kurzem Haltbarkeitsdatum.

Besonders wichtig war allen, den Lesern die Folgen falscher Ernährung allerhöchstens anzudeuten, um bloß niemanden zu (v)erschrecken. So ein richtiger Wohlfühl-Gesundheitsberater weit entfernt vom Spiegel-Motto: Schreiben, was ist!

Naja, obwohl: Eigentlich ziemlich ähnlich zur Spiegel-Berichterstattung über den Klimawandel: Schreiben, was schmeckt! Da die Wahrheit nicht so rosig ist, soll damit bloß niemand (v)erschreckt werden. Lieber werden richtige Wohlfühl-Reportagen geschrieben, ohne die Folgen falscher Politik beim Namen zu nennen.

Ist der Gesundheitsberater auf Gala-Niveau also etwa doch von Ihnen? Wenn ja, dann freue ich mich schon auf die Sommer-Loch-Ausgabe im Jahr 2030 anlässlich von wochenlang 45 Grad im Schatten: „Kopf kühl, alles cool!“

Wir haben es wieder geschafft!

Wir haben es wieder geschafft: Der Faschismus wird uns unausweichlich einholen, weil wir alles andere unwählbar gemacht haben!

16 Jahre Angela Merkel voller Besitzstandswahrung ohne jede Vision und voller rückwärtsgewandter Wirtschaftspolitik hat die Union unwählbar gemacht. Alle Zukunftstechnologien, in denen Deutschland führend war, wurden ausgebremst. Anstatt bei Windkraft und Photovoltaik die Weltmarktführerschaft auszunutzen, lieferte Merkel die Bundesrepublik lieber der Abhängigkeit von russischem Öl und Gas aus, lange nachdem Wladimir Putin seine imperialistischen Ambitionen, terroristischen Methoden und menschenverachtenden Machtansprüche unter Beweis gestellt hatte.

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(Ent-)Gendern: Organisation

Umfassendes Gender-Symbol
Umfassendes Gender-Symbol

Wie jeder andere Wandel auch sieht sich derjenige der Sprache einer Normalität gegenüber, von deren Fortbestand nicht wenige profitieren, sich andere darauf eingestellt, damit abgefunden oder sie nie in Frage gestellt haben. Trotzdem greift das Gendern zunehmend Raum. Seine Ausbreitung erstaunt, angesichts des oft angeführten Mangels an Rückhalt in der Bevölkerung: Denn Umfragen zu Folge lehnt die Mehrheit gendergerechte Sprache ab. Aus den Erhebungen geht jedoch nicht hervor, ob sich die Ablehnung gegen das Gendern generell richtet oder nur gegen ihre bekannten, konkreten Ausformungen mit all ihren Unzulänglichkeiten: Umständlichkeit, holpriger Sprachfluss, Binarität verstärkend. Schon Formulierungen der Fragestellung stehen bisweilen stellvertretend für einen ebenso umständlichen wie angestrengten Umgang:

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Boomer-Ignoranz in Vollendung!

Heinz Bude erklärt uns im Spiegel, was bei den Grünen falsch läuft und auch gleich noch, wie sie es besser machen könnten. Dabei fällt ein Satz, der allzu treffend ist:

„Man muss in schelcht bezahlten Tätigkeiten Boomern zu Diensten sein, die sich als Master of Universe aufspielen.“

Das gilt nicht nur für junge Leute in Deutschland, worauf sich die Passage bezieht, sondern für die meisten Menschen in der ganzen Welt und der zweite Teil des Satzes insbesondere für  Bude selbst. Selbstbewusst trifft er gewagte Aussagen, als handelte es sich um offensichtliche Wahrheiten, obwohl es sich nur um verfestigte Boomer-Logik handelt. Diese kulminiert in der typischen Ignoranz einer Generation, die jeden Wandel verhindert, um an ihren zerstörerischen Gewohnheiten festhalten zu können und sich dabei noch im Recht zu fühlen:

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Die Verantwortungslosigkeit kehrt zurück

Was für eine Abfolge! Jahrzehnte lang verharmlost der Spiegel systematisch die Klimakrise. Lobenswerterweise druckt er 2024 selbst die entsprechende Analyse des Medienwissenschaftlers Bernhard Pörksen dazu ab. Der attestiert im selben Zuge dann auch, dass sich die Berichterstattung seit 2019 einem realistischen Blick (zumindest in einschlägigen Texten) genähert habe. Danach folgt Monate lang Funkstille: keine Artikel mehr zur Klimakrise. Nicht einmal das drohende Kippen des Golfstroms ist eine Meldung wert. Und dann das: Frauke Rostalski, Mitglied des Deutschen Ethikrats, darf über die Sinnlosigkeit individuellen Engagements für den Klimaschutz schreiben, ohne einen anderen Weg zu weisen.

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Autoindustrie macht sich und uns etwas vor

Schon wieder! Wir sind ja schon einiges gewohnt: unrealistische Verbrauchswerte, Betrug bei den Abgaswerten, Festhalten an veralteten Antriebstechnologien bei gleichzeitigem Verschlafen der Umstellung auf zukunftsweisende, Lobbying für Abwrackprämien und Umsatzgarantie für fortwährende Klimaschädigung. Und jetzt? Nach über zehn Jahren Plug-in-Hypriden kommt man mal auf die Idee, einen Realitätscheck zu machen! Siehe da: Die Fahrzeuge stoßen genau so viel CO2 aus wie reine Verbrenner, weil sie fünf Mal weniger elektrisch angetrieben unterwegs sind als von den Herstellern angenommen und aufgrund der zweiten Antriebstechnologie mehr wiegen. Der einzige Bereich der Autoindustrie, der hohe Professionalität aufweisen kann, ist offenbar die Münchhausen-Abteilung: sich und vor allem anderen etwas vormachen, das können sie.

 

Pröksens halbierte Spiegel-Analyse zur Klimakrise

Hallo Herr Pörksen, hallo Spiegel-Redaktion,

Vielen Dank für Ihre Analyse der Klimaberichterstattung des Spiegel! Trotz aufmerksamer Lektüre des Magazins ist mir die von Ihnen angesprochene Wende zu ernsthaftem Klimajournalismus 2019 entgangen. Tatsächlich gibt es mittlerweile (ansonsten würde man sich auch komplett lächerlich machen) aufrüttelnde Artikel über die wirklichen Verhältnisse und nicht mehr nur Verharmlosung. Letztere pflegt der Spiegel nichtsdestotrotz weiterhin fleißig. Vielleicht nicht mehr unmittelbar in Artikeln zu Klimakrise, dafür bei nahezu allen anderen Themen.

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Der rechenschwache Journalismus

Hallo Herr Thiel, hallo Spiegel-Redaktion,

Ja klar, wenn Maurizio Azzaro behauptet, wie Sie schreiben, dass der ökologische Fußabdruck der 5000 km Luxus-Kreuzfahrt nur „minimal“ sei und die Ottonormalbürger-Kreuzfahrten nach Grönland das „wirkliche Problem“, dann lasst die Reichen weiterhin zum Pol der Unzugänglichkeit cruisen. Vielleicht erinnert sich die eine oder der andere daran, dass Kreuzfahrten generell mal zum allergrößten Luxus gehörten, wie Urlaub anno dazumal überhaupt, und beides heute zum Standardprogramm der Mittelklasse zählt. Der Triggle-Down-Effekt, dessen segensreiche Wirkung die liberale Wirtschaftstheorie stets beschwört, kommt nirgends deutlicher zum Ausdruck als beim Reisen. Die Menschen reisen immer mehr, immer weiter, immer aufwendiger, immer zerstörerischer. Sehenswürdigkeiten und Natur müssen längst vor den Massen geschützt werden. Overtourism, wohin das Auge blickt.

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