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Berggruen-Wochen beim Spiegel

Der Milliardär Nicolas Berggruen unterhält sich eine eigene Denkfabrik, um Ideen und Intellekt zu fördern. Der Spiegel nimmt das zum Anlass, darüber zu berichten. Doch es kommt nicht eine der intellektuellen Kräfte des Instituts mit ihren Ideen zu Wort, sondern ausschließlich Berggruen. Der Journalist Matern von Boeselager interessiert sich nicht für das Institut, sondern für den Milliardär, dem das offensichtlich behagt. Es geht also nicht um Ideen und intellektuelle Leistungsfähigkeit, sondern Berggruen um Selbstdarstellung, während der Spiegel sich offenbar wie ein billiges Wochenblatt glücklich schätzt, wenn er exklusiv vom Alltag eines Milliardärs berichten darf. Das Institut ist ein reines Accessoire.

Irritierend wirkt auch der vorgeschobene Anlass für das Portrait: Berggruen mache eine „rätselhafte Figur“, weil er eine Denkfabrik finanziert. So ungewöhnlich ist das eigentlich nicht: Die Koch-Brüger betreiben mit dem Cato Institute und dem Atlas Network seit Jahrzehnten ein ganzes Netzwerk an Think Tanks. Mit der geballten Finanzkraft der fossilen Industrie torpedieren sie Fortschritte mit gezielten Desinformationskampagnen beim Klimaschutz. Narrative, die auch der Spiegel in seiner Berichterstattung gerne übernommen hat. Beim Berggruen Institute will er anscheinend noch nicht einmal wissen, was es eigentlich treibt. Aber wozu dann der Artikel?

Der Artikel bildet eine Fortsetzung der seltsamen Berggruen-Wochen beim Spiegel. Erst vor wenigen Wochen wurde der Hedgefond-Manager als einzige namhafte Stimme zur Wirtschaftsentwicklung in den USA herangezogen und im Sommer zum Thema KI und Kapitalismus. Alles wirkt, als ginge es um ein positives Priming von Berggruen. Wir werden sehen wofür?