Der Spiegel übernimmt eins zu eins die Stellungnahme des Bauernverbands zur Erntesituation ohne sich relevante Zahlen anzuschauen oder andere Stimmen anzuhören. Wenn er sich aber zum Sprachrohr eines Lobbyverbands macht, dann braucht es ihn nicht.
Bei der Gerste ohne Rückgang der Erntemenge wird angegeben, dass sich die Anbaufläche verändert hat, bei anderen Pflanzensorten mit Rückgang nicht. Überall wird als Referenzwert ausschließlich 2025 herangezogen. Falls das ein sehr gutes Jahr war, dann wären minus 7% immer noch gut. Zu einer seriösen Beurteilung bedarf es eines langjährigen Vergleichs einschließlich der Erntefläche (oder schlicht der Angabe des Ertrags pro Hektar).
So ist der Artikel unbrauchbar. Er gibt einfach nur den vorhersehbaren Ruf des Bauernverbands nach staatlichen Subventionen wieder, ohne uns Lesern die Einschätzung zu ermöglichen, ob das berechtigt ist.
In diesem Zusammenhang wäre vielleicht noch erwähnenswert, dass der Bauernverband eine Entschädigung für die Folgen des Klimawandels vom Staat in Form von Subventionen fordert, während er zugleich jede Form von Klimaschutz und Nachhaltigkeit ablehnt, sobald sie Landwirte betrifft, ja sogar Subventionen verlangt, die Klima-Erwärmung beitragen wie etwa beim Agrardiesel.
Er möchte an der Dürre also zweimal verdienen: Einmal bei der Anbahnung und nochmal beim tatsächlichen Eintritt. Das mutet wie die Incentivierung im Vertriebsbereich an, wo ähnliche Anreize zur Kundengewinnung gesetzt werden. Wenn der Bauernverband weiterhin in der Lobbyarbeit so erfolgreich ist und sogar der Spiegel sich für ihn die Bresche wirft, dann freuen sich die Bauern vielleicht sogar bald über die Dürre.