Ausschlusskriterien für Atomkraft

Wer sich für eine Renaissance der Kernenergie einsetzt, muss zu folgenden Punkte Stellung beziehen, wobei die ersten sechs allesamt Ausschlusskriterien sind, wenn sie nicht entkräftet werden.

  1. Bauzeit: 20 Jahre. Bis dahin ist das Zeitfenster für die Energiewende schon verstrichen.
  2. Baukosten: Unkalkulierbar. Die Baukosten vervielfachen sich regelmäßig gegenüber den Planungen und verschlingen mehrere Millionen Euro pro MW Leistung, während der Wert bei Windkraft bei unter einer Million liegt. Der Bau des dritten Blocks des Atomkraftwerks Flamanville hat Frankreich, das über viel Erfahrung damit verfügt, bis  2024 über 23 Mrd. Euro statt der 2004 veranschlagten 3,3 Mrd. Euro gekostet. Atmokraft bindet enorme finanzielle Mittel lange bevor sie Leistung erbringt.
  3. Stromgestehungskosten: ca. 30 ct/kWh gegenüber 6 ct/kWh bei Windkraft und Photovoltaik. Atomkraft treibt die Stromkosten in die Höhe.
  4. Umweltbelastung: Strahlungsrisiko und seit 50 Jahren ungeklärte Entsorgung bedeuten hohe Bürden für zukünftige Generationen.
  5. Beitrag zur Netzstabilität: AKW sind Grundlastkraftwerke, die Nachfragespitzen nicht abfangen können, also genau das Szenario, das aktuell die meisten Schwierigkeiten bereitet.
  6. Krisenanfälligkeit: Ziele für Anschläge und in Kriegszeiten mit fatalen Auswirkungen.
  7. Rohstoff: Uran muss importiert werden und wird überwiegend aus Russland bezogen. Keine Verringerung der Abhängigkeit vom Ausland.
  8. Subvention: Hohe Entsorgungskosten und unkalkulierbare Unfallkosten müssen durch den Staat abgedeckt werden, da keine Versicherung das Risiko eingeht.
  9. Zuverlässigkeit: Gehäuft Abschaltung bei Hitze und lange Wartungsfenster.

Der einzige Profiteur von neuen Atomkraftwerken ist die Öl- und Gasindustrie, deren Geschäftsmodell während der jahrzehntelangen Bauzeit ungetrübt fortbesteht und darauf hoffen darf, dass nach dem nächsten großen Atomunfall kein einziges Kernkraftwerk mehr ans Netz geht.

Da davon auszugehen ist, dass führende Politiker sich all dieser Punkte bewusst sind, muss angenommen werden, dass der Forderung nach Atomkraft niedere Beweggründe zu Grunde liegen.

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