Im Spiegel präsentiert uns das Portrait von der Unternehmering Sabine Herold weniger die politischen Gründe des deutschen Niedergangs als vielmehr die wirtschaftlichen. Der Spiegel fragt eine typische Stellvertreterin deutscher Mittelständler und bekommt die typischen Antworten: zu viel Bürokratie, zu hohe Kosten und überhaupt Erbschaftssteuer. Seit Jahrzehnten die gleiche Leier und den Blick immer nur auf die ganz eigene Situation gerichtet.
Das geht schon los bei der Erbschaftssteuer: Warum sollen dann die anderen welche zahlen? Vielleicht wollen die Kinder derjenigen, die zufällig keine Firma besitzen, auch investieren, um damit womöglich Arbeitsplätze zu schaffen. Wer sagt, dass die ihr Geld schlechter einsetzen als Firmenerben?
Auf genügend Jahre gestreckt, sollten die Erben profitabler Betriebe, ihren gerechten Anteil jedenfalls leisten können, schließlich profitieren diese Unternehmen von der deutschen Infrastruktur. Ansonsten ist das Unternehmen schlecht geführt.
Weiter geht es bei der Innovationsbereitschaft: Die reduziert sich darauf, verbotene Stoffe einsetzen zu wollen, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, warum die verboten sind. Es geht wieder nur um das eigene Wohl und nicht um das der anderen. Und das obwohl das Geschäft mit fragwürdigen Chemikalien über kurz oder lang nicht nur gesellschaftlich, sondern auch betriebswirtschaftlich nach hinten los geht: siehe Bayer. Wenn man Geschäfte auf Kosten der Gesundheit anderer macht, sollte man ehrlicherweise die externalisierten Kosten von Anfang an einpreisen.
Wie bei der Automobilindustrie haben wir es in Deutschland oft mit Unternehmen zu tun, welche ihre innovativen Zeiten lange hinter sich haben. Da werden lieber Gewinne aus lange etablierten, aber schon überholten Geschäftsfeldern abgeschöpft, als neue erschlossen. Solche Firmen können nur noch verlieren und verbergen ihr eigenes Versagen gerne hinter vermeintlichen Problemen deutscher Politik, der gegenüber sie dann maximal fordernd gegenüber treten.
Doch zeigt der ewige Aufruf an den Staat, er möge mehr sparen, dass sogar die deutschen Unternehmer den Unterschied zwischen Betriebs- und Volkswirtschaft nicht verstanden haben. Ein Privathaushalt und ein Betrieb profitieren, wenn sie weniger ausgeben, ein Staat profitiert, wenn mehr Geld zirkuliert, denn nichts anderes misst das BIP.
Es sind alle reicher, wenn 100 Personen jeweils einen Euro für etwas ausgeben und dadurch von einem anderen wieder einen bekommen, um ihn wieder auszugeben, als wenn eine Person 100 Euro einfach für sich behält. Ein sparsamer Staat wirkt kontraproduktiv, wie schon der herausragende Ökonom John Maynard Keynes verdeutlichte. Ein Staat, der Geld für die falschen Dinge ausgibt ebenfalls und darunter fallen Subventionen in überholte Technologien. So lange wir glauben, für den Erhalt unseres Wohlstandes genüge es, die vertrauten alten Industrien zu hegen, werden wir deshalb den Pfad des Niedergangs nicht verlassen. Das fossile Zeitalter ist vorbei. Wer zuerst im postfossilen ankommt, wird auf der Gewinnerseite stehen.