
Im Iran wird ein Krieg gegen die Weltordnung und die Weltwirtschaft geführt und der Spiegel macht eine Titelgeschichte zum Thema Duzen und Siezen. Geht es noch ignoranter? Geht es noch absurder? Ist das noch ein Nachrichtenmagazin oder schon Klatschpresse?
Es mag ja sein, dass es im steifen Hamburg noch Leute gibt, die sich daran stören, aber das heißt nicht, dass es andere nicht so halten dürfen, wie sie wollen. Und das heißt auch nicht, dass es in irgendeiner Weise relevant wäre, wenn irgendjemand gern hätte, dass sich die Sprache doch bitte so entwickeln möge, wie sie oder er (meistens Letzteres) sich vorstellt.
Nichts ist so basisdemokratisch wie Sprache. Sie entwickelt sich einfach ohne Rücksicht auf irgendwelche persönlichen Regulierungsansprüche. Daran können noch nicht einmal Verbote von ewiggestrigen bayerischen Ministerpräsidenten etwas ändern. Das ist auch gut so, denn das Letzte was wir brauchen, ist, dass die Einfältigen der Vielfalt Einhalt gebieten wollen. Lasst die Leute reden, wie sie wollen.
Übrigens gibt es auch einen ganz einfachen praktischen Grund dafür, warum sich das Du durchsetzt. In größeren Gruppen (z. B. in großen Unternehmen) verlieren bei der heutigen Kommunikationsdichte alle binnen weniger Monate den Überblick, mit wem sie per Du und mit wem per Sie waren. Ein generelles Du vereinfacht die Sache unheimlich. Sich mit dem Problem der Anrede rumzuschlagen, bindet völlig unnötig kognitive und kommunikative Ressourcen, die dringend für anderes benötigt werden.
Auch beim Spiegel. Wir alle sollten uns um die wichtigen Themen kümmern und uns nicht am nächsten albernen Kulturkampfthema abarbeiten, das völlig unnötig von tatsächlichen Problemen ablenkt und Einfalt statt Verständnis fördert.